2006 stellte ZOOM mit dem H4 den weltweit ersten Handheld-Audio-Recorder vor, der hochwertige XY-Stereomikrofone und professionelle XLR/TRS-Combo-Eingänge in einem kompakten Gehäuse kombinierte. Beachten Sie, dass „Handy Recorder“ kein allgemeiner Begriff, sondern der von uns geprägte Produktname ist.
Diese historische Vorstellung begründete das Konzept des „Handy Recorders“ und prägte mit seinen innovativen Merkmalen unzählige Bereiche wie die Kultur des modernen Field-Recordings, das Mitschneiden von Musikproben, die Filmproduktion mit DSLR-Kameras, die Hochzeitsfotografie, Bildungseinrichtungen und vieles mehr.
Im Folgenden möchten wir beschreiben, welche Voraussetzungen ausschlaggebend für die Vorstellung des H4 waren, welche technischen Innovationen er mit sich brachte und wie er ein neues Zeitalter im Bereich Recording einleitete.
1. Anfang der 2000er Jahre: Aufnahmeumgebungen waren „geschlossen“.
Die Einschränkungen von IC-Recordern (IC: integrierte Schaltkreise)
In den frühen 2000er Jahren waren IC-Recorder mit integriertem Speicher die am meisten verbreiteten „Aufnahmegeräte“, die für die Musikproduktion und den kreativen Einsatz aber nur bedingt geeignet waren.
- Eine geringe Schalldrucktoleranz führte bei der Aufnahme von Bandproben unmittelbar zu Übersteuerungen
- Die Geräte konnten keine hochwertigen editierbaren PCM-Daten verarbeiten, stattdessen wurden die Aufnahmedaten systembedingt komprimiert
- Zudem fehlten wesentliche Funktionen für die Musikproduktion wie Eingänge für externe Signale, eine präzise Aussteuerung der Vorverstärkung oder auch die Integration hochwertiger Stereomikrofone
Musiker waren zu dieser Zeit daher häufig frustriert: „Wir würden das Live-Feeling gerne unverfälscht einfangen, aber dafür es gibt keine erschwingliche und qualitativ hochwertige Aufnahmelösung.“
Kassettenrecorder im Proberaum als der „letzte Ausweg“
Eine weitere Möglichkeit bot sich durch Kassettenrecorder, die häufig in Proberäumen zu finden waren. Leider schränkte auch diese Option den kreativen Einsatz ein.
- Neben einer umständlichen Bedienung war es praktisch unmöglich, das Band nachträglich zu bearbeiten
- Die Übertragung der Aufnahmen in eine DAW (Digital Audio Workstation) war zudem umständlich
- Das benutzte Bandmaterial als Medium verschlechterte sich durch Verschleiß und Probleme bei der Lagerung und ließ sich nur schlecht durchsuchen
Die Musiker hatten daher den Wunsch nach neuen Wegen, um „mit einer unkomplizierten und zudem portablen Lösung hochwertige Aufnahmen zu erstellen, die sich anschließend bequem nachbearbeiten lassen.“
2. Die mit dem PS-02 vorgestellte Philosophie (2000)
The Philosophy Pioneered by the PS-02 (2000)
Im Jahr 2000 stellte ZOOM den handlichen MTR PS-02 vor und etablierte damit das Konzept des „kleinsten Aufnahmestudios der Welt (Palm Studio)“, das großen Anklang fand. Mit Nachfolgeprodukten wie dem PS-04 führte ZOOM das neue Konzept zur Integration einer Technologie zur Mehrspuraufnahme in einem portablen Gehäuse konsequent fort und erwarb dadurch einzigartiges Know-how.
Die Vorstellung des H4 als „portabler MTR“ (Mehrspur-Recorder)
Der H4 war das Ergebnis der Design-Philosophie, das „Prinzip eines MTR weiterzuentwickeln“: Er verfügte über professionelle Combo-Eingänge (XLR/TRS) und erlaubte zudem eine 4-Spur-Aufnahme.
- Instrumenten-Eingänge für den direkten Anschluss von Gitarren und Bässen
- Ausgabe einer Phantomspeisung für den Anschluss und Einsatz von Kondensatormikrofonen für Gesang
- Integriertes Metronom/Stimmgerät für unkompliziertes Üben zuhause
- Interne Gitarreneffekte/Verstärker-Emulationen für die sofortige Erstellung von Demos
Der H4 wurde von Anfang an nicht als Weiterentwicklung eines IC-Recorders, sondern als „portabler MTR für Musiker“ konzipiert.
3. Die Weltneuheit: XY-Stereo-Mikrofon + XLR-Combo-Buchsen in einem „handlichen“ Gehäuse
Die bahnbrechendsten Merkmale des H4 sind die integrierten, für die Musikproduktion geeigneten Mikrofone in Kombination mit professionellen externen Eingängen, verbaut in einem batteriebetriebenen Produkt, das problemlos „in eine Hand passt“.
- XY-Stereomikrofonsystem für dreidimensionale Audioaufnahmen
- Zwei Kanäle mit XLR/TRS-Combo-Eingängen in professioneller Qualität
- Gleichzeitige Aufnahme von bis zu 4 Spuren über die internen Mikrofone und externen Eingänge
Durch die Kombination dieser Merkmale unterschied er sich von herkömmlichen IC-Recordern und großen professionellen Aufnahmegeräten und erfüllte zudem alle Anforderungen der Kreativen zu dieser Zeit in einem einzigen Gerät.
Der H4 war also nicht nur ein „portabler Recorder“, sondern der Prototyp einer völlig neuen Gerätekategorie im Markt.
4. Revolution durch die gleichzeitige Aufnahme von „Atmo + Line“
Der größte praktische Nutzen des H4 lag darin, dass er „mit seinen internen Mikrofonen die Ambience (Atmo) und über den integrierten externen Eingang parallel das Signal einer Line-Quelle (oder auch ein direkt an der Signalquelle positioniertes Mikrofon) aufnehmen konnte.
Dadurch konnten die folgenden unterschiedlichen Aufnahmeszenarien mit einem einzigen Gerät abgedeckt werden:
Bei einer Live-Veranstaltung
- Integrierte XY-Mikrofone: Ambience am Veranstaltungsort, Publikumsgeräusche, Raumhall
- Combo-Eingang: Line-Ausgang des Mischpults
Später dann bei DSLR-Filmaufnahmen
- Integrierte XY-Mikrofone: Gesamtatmo am Drehort, Ambience
- Combo-Eingang: Direktsignal von Richtrohr- oder Handmikrofonen
Die Möglichkeit der gleichzeitigen Aufnahme von „Atmo + Line“ war revolutionär, da sie den idealen Workflow für Live-Aufnahmen und Videoproduktionen in Form einer kompakten, batteriebetriebenen und zudem sehr günstigen Lösung bereitstellte.
5. Der von der Videoindustrie ausgelöste Popularitätsschub
Der H4 wurde ursprünglich als Recorder für Musiker konzipiert, der sich auch für laute Bands eignet. Die großen Elektronikhändler in den USA erkannten jedoch schnell seine alternative Bedeutung. Sie bewarben ihn als „den idealen externen Audio-Recorder für DSLR-Kameras“.
Und das wiederum sorgte für eine schnelle Erweiterung des Anwenderkreises:
- Film- und Dokumentarfilmproduktion
- Videographie bei Hochzeiten
- Vlogging / Produktion von Independent-Videos
- Lehrmaterial für Fachschulen und Universitäten im Bereich Video/Audio
In der Folge konnte sich das Konzept des Handheld Recorders als „globale Kategorie“ etablieren.
6. Anerkennung im Markt: Die Industrie fügt eine „neue Kategorie“ hinzu
Der Erfolg des H4 ging weit über eine bloße Steigerung des Umsatzes hinaus – tatsächlich veränderte er die Struktur innerhalb der Branche grundlegend.
Das einflussreiche US-Branchenmagazin Music Trades erschuf in seiner Marktanalyse für Recording-Equipment neben traditionellen Kategorien wie „Hard‑Disk Multi‑Track“ eine neue Kategorie mit der Bezeichnung „Hand‑Held Digital Recorders“.
Das bedeutete, dass die Handheld Recorder von ZOOM, beginnend mit dem H4, nicht als „kurzlebiger Trend“, sondern als Produktlinie eingeordnet wurden, die eine eigene Marktkategorie definiert und begründet hat.
7. Die traditionell hohe technische Zuverlässigkeit der H-Serie und ihre internationale Anerkennung (MIPA / NAMM TEC Award)
Die Kategorie „Handheld Recorder“, für die der H4 Pionierarbeit geleistet hat, genießt in der internationalen Pro-Audio-Branche nach wie vor hohes Ansehen.
Die Handheld Recorder von ZOOM konnten beim NAMM TEC Award und beim MIPA Award, zwei prestigeträchtigen Auszeichnungen der Pro-Audio-Welt, die folgenden bemerkenswerten Erfolge erzielen:
- 2012: Der H2n gewinnt den NAMM TEC Award (Kategorie „Recording Devices“)
- 2013: Der H6 gewinnt den NAMM TEC Award (in derselben Kategorie)
- 2014: Der H5 gewinnt den NAMM TEC Award (in derselben Kategorie)
Darüber hinaus wurde der H6 in den Jahren 2014 und 2015 zweimal in Folge mit dem MIPA Award (in der Kategorie „Field Recorder“) ausgezeichnet.
Diese Auszeichnungen bestätigen nachdrücklich, dass die Designphilosophie und das Engagement für Klangqualität, die mit dem H4 im Jahr 2006 eingeführt wurden, auch bei den nachfolgenden Modellen der H-Serie international durchgängig anerkannt werden.
8. Fortschrittliche Weiterentwicklungen bei der Batterielaufzeit und der Klangqualität des Mikrofonvorverstärkers
Die H-Serie hat seit dem H4 nicht nur neue Funktionen erhalten, sondern auch von „subtilen, aber wesentlichen Verbesserungen“ profitiert. Dazu zählen u. a.:
- Eine verbesserte Batterielaufzeit
- Geringeres Rauschen des Mikrofonvorverstärkers
- Verbesserter Signalrauschabstand der Mikrofonkapsel und Einführung eines austauschbaren Kapselsystems
- Integration von Funktionen zur Barrierefreiheit und weitere Verbesserungen in der Bedienung und Benutzeroberfläche
- Zusätzliche 32-Bit-Float-Aufnahme und USB-Audio-Interface-Funktionalität
Diese Merkmale stellen eine „subtile, aber grundlegende Weiterentwicklung“ des Produkts dar. Eine der neuesten Revisionen ist der H4essential, der 32-Bit-Float-Aufnahmen ermöglicht und das Konzept eines „portablen, hochwertigen Klangs“, das auf dem H4 basiert, für die nächste Generation aufbereitet.
9. Fazit: Die Geschichte der Handaufnahmegeräte begann mit dem H4
Die Einführung des H4 im Jahr 2006 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Aufnahmegeräte.
- Er ermöglichte die Aufnahme dynamischer Klänge, die mit IC-Recordern zuvor unerreichbar waren, in einem kompakten Gehäuse.
- Er ermöglichte die Bearbeitung und das Teilen von Aufnahmen, die mit Band unmöglich waren, durch einen einzigartigen digitalen Workflow.
- Er verbesserte die Audioqualität bei Videoproduktionen dramatisch.
- Und er revolutionierte die Aufnahmekultur – von Bandproben über Filmproduktionen bis hin zu Bildungseinrichtungen.
Der H4 demokratisierte die Aufnahmekultur, indem er die Grenzen zwischen professionellen Workflows und kreativen Amateurprojekten aufhob.
Das vom H4 eingeführte Konzept des „tragbaren, hochwertigen Klangs“ wurde an seine Nachfolger weitergegeben: den H4n, H5, H6, die Essential-Serie mit 32-Bit-Float-Audio und die Studio-Serie mit höchster Klangqualität. Auch heute noch entwickelt sich die Technologie stetig weiter und unterstützt die nächste Generation von Kreativen.